Waldon - Lernen beginnt mit Tun

Der britische Neurologe Geoffrey Waldon ging davon aus, dass sich grundlegendes Verstehen aus dem eigenen Handeln entwickelt.

Ein Kind greift nach einem Gegenstand, dreht ihn, lässt ihn fallen, hebt ihn wieder auf. Es schiebt, zieht, klopft und probiert allerlei Dinge aus. Es nimmt wahr, was dabei geschieht. Dabei sammelt es unzählige Erfahrungen über seinen eigenen Körper, über Bewegung und darüber, wie die gegenständliche Welt funktioniert. Nach und nach entstehen aus diesen Erfahrungen Zusammenhänge – und damit die Grundlage für neue eigene Ideen.

Tun → Wahrnehmen → Verstehen → Motivation

Das Ziel ist dabei nicht, eine bestimmte Aufgabe möglichst richtig auszuführen. Es geht darum, dem Kind Erfahrungen zu ermöglichen, aus denen sich sein eigenes Verstehen weiterentwickeln kann.

Primäres Verstehen kann man nicht beibringen

Waldon unterscheidet zwischen primärem und sekundärem Verstehen.

Primäres Verstehen entsteht aus der unmittelbaren Auseinandersetzung mit der Welt. Ein Kind entdeckt beispielsweise selbst, dass ein Gegenstand fallen kann, dass etwas in etwas anderes hineinpasst, dass Dinge sich bewegen lassen oder dass seine beiden Hände gemeinsam etwas bewirken können.

Sekundäres Verstehen oder kulturelles Verstehen umfasst Wissen, das andere Menschen an uns weitergeben können: wie etwas heißt, welche Regeln gelten oder wie bestimmte Dinge üblicherweise gemacht werden.

Kulturelles Wissen kann mir jemand vermitteln. Primäres Verstehen muss ich selbst erwerben.

Was, wenn solche Erfahrungen fehlen?

Nicht jedes Kind sammelt diese frühen Erfahrungen auf dieselbe Weise.

Manche Kinder erkunden ihre Umgebung nur wenig. Manche beschäftigen sich lange mit sehr ähnlichen Handlungen. Andere wechseln rastlos von einem Gegenstand zum nächsten oder scheinen kaum eigene Ideen dafür zu entwickeln, was sie mit einem Material tun könnten.

Dafür kann es ganz unterschiedliche Gründe geben.

Waldon interessiert sich weniger dafür, wie dieses Verhalten von außen aussieht. Der Blick richtet sich vielmehr auf die Frage:

Welche Erfahrungen hat dieses Kind bereits gemacht – und welche könnten ihm noch fehlen?

Kleine Handlungen - grundlegende Erfahrungen

Waldon arbeitet mit sehr einfach scheinenden Handlungen wie Dinge aufnehmen und ablegen, etwas wo hineinlegen, schieben, klopfen, wischen oder aufhäufen.

Durch dieses aktive Tun enstehen Erfahrungen über den eigenen Körper, Raum und Richtung, Gegenstände, Zusammenhänge und die Wirkung des eigenen Tuns. Es geht dabei um das Sammeln grundlegender Erfahrungen, die uns ermöglichen, Lernen zu lernen.

Für welche Kinder könnte Waldon interessant sein?

Waldon kann ein möglicher Zugang sein, wenn ein Kind wenig eigene Handlungsideen entwickelt, seine Umgebung kaum erkundet, sehr passiv wirkt, sich stark auf einzelne, wiederkehrende Handlungen beschränkt oder aber rastlos ist und sehr oft zwischen Tätigkeiten wechselt.

Keine dieser Beobachtungen bedeutet automatisch, dass Waldon der passende Weg ist.

Sie können uns vielmehr neugierig machen:

Was kann dieses Kind schon? Was interessiert es? Welche Erfahrungen sucht es immer wieder – und welche hat es vielleicht noch wenig machen können?

Von dort aus können wir weiterdenken.

Waldon oder Floortime®?

Waldon und DIR Floortime® richten ihren Blick auf unterschiedliche Bereiche von Entwicklung.

Bei DIR Floortime® steht die sozial-emotionale Entwicklung in der Beziehung zu anderen Menschen im Mittelpunkt. Waldon richtet den Blick stärker auf frühe Erfahrungen mit dem eigenen Körper und der gegenständlichen Welt.

Für mich ist das kein Entweder/Oder.

Je nachdem, wo ein Kind gerade steht und was es braucht, können unterschiedliche Zugänge sinnvoll sein.

Nicht die Methode entscheidet, was wir mit einem Kind tun. Wir schauen auf das Kind – und überlegen von dort aus weiter.

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Waldon genauer betrachtet

Wie können aus frühen Erfahrungen mit dem eigenen Körper und der gegenständlichen Welt zunehmend eigene Handlungsideen entstehen? Im Gedanken-Artikel „Mein Kind spielt nicht mit mir – Teil 2: Bevor aus Tun eine Idee wird“ gehen wir dieser Frage genauer nach.

Waldon bei Naturspiel

Waldon ist einer der Zugänge, die in meine Entwicklungsbegleitung einfließen können.

Ob und in welcher Form Waldon für dein Kind sinnvoll sein könnte, lässt sich nicht anhand einer Diagnose oder einzelner Verhaltensweisen entscheiden. Wir schauen gemeinsam darauf, wo dein Kind gerade steht, was es bereits mitbringt und welche nächsten Erfahrungen seine Entwicklung unterstützen könnten.

Naturspiel

Naturspiel begleitet Kinder und ihre Familien dabei, eine gemeinsame Welt zu entdecken – damit Beziehung wachsen und Entwicklung entstehen kann.

Kontakt

+43 680 23 787 04

kontakt@naturspiel.at

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Herzbuch

Eine Sammlung von Gedanken und Begriffen, die den Blick auf Kinder verändern können.

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