DIR Floortime® - Beziehung bewegt Entwicklung
Kinder entwickeln sich in Beziehung – im Austausch mit Menschen, die sie begleiten, mit ihnen in Resonanz gehen und gemeinsam eine Welt entstehen lassen.
DIRFloortime® ist ein entwicklungs- und beziehungsorientierter Ansatz, der genau dort ansetzt. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wo steht dieses Kind in seiner Entwicklung? Wie erlebt es die Welt? Und was braucht es, damit Beziehung und Entwicklung möglich werden?
D - developmental
Entwicklung verstehen
Das D steht für die sozial-emotionale und kognitive Entwicklung eines Menschen.
DIR Floortime® beschreibt sogenannte funktional-emotionale Entwicklungskapazitäten. Sie reichen von sehr frühen Fähigkeiten wie Regulation, Aufmerksamkeit und dem Interesse an anderen Menschen über wechselseitige Kommunikation und gemeinsames Problemlösen bis hin zu symbolischem und zunehmend komplexem Denken.
Diese Kapazitäten bauen aufeinander auf – jedoch nicht wie Stufen, die wir einmal erklimmen und dann hinter uns lassen.
Auch ein Kind, das bereits spricht, Geschichten erfindet oder komplexe Zusammenhänge versteht, braucht weiterhin Regulation, Beziehung und wechselseitige Kommunikation als Grundlage.
Und je nachdem, wie es ihm gerade geht, können ihm seine Fähigkeiten unterschiedlich gut zur Verfügung stehen.
Die Entwicklungskapazitäten geben uns deshalb eine Orientierung, ohne Entwicklung in ein starres Schema zu pressen.
I - individual differences
Individuelle Unterschiede verstehen
Das I richtet den Blick darauf, dass jeder Mensch die Welt auf seine eigene Weise wahrnimmt und verarbeitet.
Wie reagiert ein Kind auf Geräusche, Berührung oder Bewegung? Wie nimmt es seinen Körper wahr? Wie gut kann es Bewegungen planen und ausführen? Wie verarbeitet es Informationen? Wie viel Zeit braucht es, um auf etwas zu reagieren?
Diese individuellen Unterschiede haben einen wesentlichen Einfluss darauf, was einem Kind in einer bestimmten Situation möglich ist.
Ein Kind, das mit seinem Gleichgewicht beschäftigt ist, wird auf einem unebenen Untergrund vielleicht weniger Möglichkeiten für ein kommunikatives Hin und Her haben. Ein Kind, das Geräusche sehr intensiv wahrnimmt, kann in einer lauten Umgebung möglicherweise nur schwer in gemeinsame Aufmerksamkeit finden.
Das individuelle Profil eines Kindes liefert uns Informationen. Und diese Informationen können uns helfen, Bedingungen zu schaffen, unter denen Beziehung und Entwicklung leichter möglich wird.
R - relationship based
Beziehung als Grundlage für Entwicklung
Das R steht für beziehungsorientiert.
Beziehungsorientiert zu begleiten bedeutet, unseren Blick nicht nur auf das zu richten, was ein Kind von außen zeigt. Wir schauen auf das, was im Kind vor sich geht: seine Interessen und Vorlieben, seine Emotionen, sein Erleben – und nicht zuletzt die Entwicklungskapazitäten, die ihm in diesem Moment zur Verfügung stehen.
Wir fragen uns: Was interessiert dieses Kind? Was fühlt es? Was bewegt es? Und was ist ihm in diesem Moment möglich?
Auch der Erwachsene bringt sich selbst in jede Begegnung mit: mit seinem Nervensystem, seinem Tempo, seinem Affekt, seinen Ideen und seinem eigenen individuellen Profil.
Deshalb schauen wir bei Floortime nicht nur auf das Kind. Wir schauen auf das, was zwischen zwei Menschen entsteht.
Was hilft diesem Kind, mit mir in Verbindung zu kommen? Was macht unser Miteinander leichter? Wann gelingt ein Hin und Her? Und was verändert sich, wenn ich mein Tempo, meine Stimme, meine Position oder meine Erwartungen verändere?
Beziehung ist dabei nicht die Belohnung für gelungene Entwicklung. Beziehung ist ein Teil dessen, wodurch Entwicklung möglich wird.

Und was bedeutet Floortime®?
Floortime® ist die praktische Umsetzung dieser Haltung im gemeinsamen Tun. Wir orientieren uns an den Interessen, Initiativen und Ideen des Kindes und versuchen, von dort aus in ein Miteinander zu kommen.
Dabei bedeutet „dem Kind folgen“ nicht, einfach passiv zuzusehen oder alles genauso zu machen wie das Kind. Wir sind präsent und aktiv beteiligt. Wir greifen auf, was das Kind uns zeigt, antworten darauf und suchen nach Möglichkeiten, ein wechselseitiges Hin und Her entstehen zu lassen.
Mit der Zeit kann dieses Miteinander immer komplexer werden: vom ersten gemeinsamen Interesse über lange nonverbale Kommunikationsketten bis hin zu gemeinsamen Spielideen, Gesprächen, Diskussionen und komplexem Denken.
Das Ziel ist dabei nicht ein bestimmtes Spiel. Das Ziel ist das Miteinander.

Floortime® im Alltag
Wie kann gemeinsames Spiel entstehen, wenn ein Kind ganz anders spielt, als wir vielleicht erwartet haben? Im Gedanken-Artikel „Mein Kind spielt nicht mit mir – wie kann gemeinsames Spiel entstehen?“ schauen wir anhand einer Alltagssituation genauer hin.
Floortime® bei Naturspiel
Floortime ist für mich deshalb keine Sammlung von Spieltechniken und kein Programm, das über jedes Kind gleichermaßen gelegt werden kann.
Es ist vor allem eine Art, genauer hinzuschauen. Wo steht dieses Kind gerade? Was bringt es mit? Was hilft ihm, sich sicher und verbunden zu fühlen? Welche individuellen Unterschiede beeinflussen sein Erleben? Und was könnte ein nächster Entwicklungsschritt sein?
Manchmal beginnt dieser mit einem Blick, einer Bewegung oder einem gemeinsamen Lachen. Manchmal sind bereits lange Gespräche, Fantasiespiele und Diskussionen möglich.
Der Ausgangspunkt bleibt derselbe: Wir beginnen da, wo das Kind gerade ist – und gehen von dort aus gemeinsam weiter.
Wenn du dir für dein Kind und euch als Familie eine Begleitung wünschst, die genau dort ansetzt, erfährst du hier mehr über die Entwicklungsbegleitung bei Naturspiel.
Naturspiel
Naturspiel begleitet Kinder und ihre Familien dabei, eine gemeinsame Welt zu entdecken – damit Beziehung wachsen und Entwicklung entstehen kann.
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Eine Sammlung von Gedanken und Begriffen, die den Blick auf Kinder verändern können.
