Ergotherapie, Logopädie oder Entwicklungsbegleitung

Was braucht mein Kind?

Beim Entwicklungsgespräch im Kindergarten wird Ergotherapie empfohlen. Die Kinderärztin rät zu Logopädie. Vielleicht steht eine Diagnose im Raum oder ihr habt sie bereits bekommen. Und plötzlich gibt es eine ganze Reihe von Empfehlungen, Möglichkeiten und gut gemeinten Ratschlägen.

Natürlich möchtest du deinem Kind helfen.

Also beginnst du zu suchen.

Nach Ergotherapie. Nach Logopädie. Nach Therapie für autistische Kinder oder entwicklungsverzögerte Kinder. Nach Förderung. Nach jemandem, der sich auskennt.

Doch vielleicht gibt es noch eine weitere Frage, die ebenso wichtig ist.

Nicht nur: Welche Therapie braucht mein Kind?

Sondern auch: Wie möchte ich, dass mein Kind begleitet wird?

 

Eine Empfehlung ist noch keine Antwort

Wenn dir Ergotherapie oder Logopädie empfohlen wurde, kann diese Empfehlung ein wichtiger Hinweis sein. Vielleicht gibt es Bereiche, in denen dein Kind Unterstützung braucht und in denen die jeweilige Berufsgruppe wertvolles Fachwissen mitbringt.

Doch die Empfehlung einer bestimmten Berufsgruppe sagt noch nicht, welche Person zu deinem Kind und zu euch als Familie passt.

Denn vielleicht ist die wichtigere Unterscheidung gar nicht jene zwischen Ergotherapie und Logopädie.

Vielleicht lohnt es sich vielmehr zu fragen:

Welches Bild vom Kind hat der Mensch, dem ich mein Kind anvertraue?

Sieht er vor allem Fähigkeiten, die noch fehlen und trainiert werden sollen?

Oder versucht er zunächst zu verstehen, wo dein Kind gerade steht, was es bereits mitbringt, was ihm Sicherheit gibt, was es interessiert und welche nächsten Entwicklungsschritte daraus entstehen können?

Geht es darum, Verhalten möglichst schnell zu verändern?

Oder wird Verhalten auch als eine Form von Kommunikation verstanden – als etwas, das uns möglicherweise einen Hinweis darauf gibt, wie es dem Kind gerade geht?

Ist das Ziel vor allem, dass dein Kind eine bestimmte Aufgabe bewältigt?

Oder interessiert auch, wie es dorthin kommt und welche Fähigkeiten es dafür erst entwickeln muss?

Das sind keine kleinen Unterschiede. Sie beeinflussen, was in einer Begleitung passiert – und wie dein Kind sich darin erlebt.

 

Was wünschst du dir eigentlich für dein Kind?

Bevor du nach der richtigen Therapeutin oder dem richtigen Angebot suchst, kann es deshalb hilfreich sein, die Blickrichtung für einen Moment zu verändern.

Nicht: Welche Therapie sollen wir jetzt machen?

Sondern: Was ist mir für mein Kind wichtig?

Vielleicht geben dir manche dieser Fragen eine Orientierung für den weiteren Weg.

Möchtest du, dass dein Kind möglichst schnell bestimmte Wörter sprechen kann? Oder ist dir wichtig, dass es zunehmend versteht, was Sprache bedeutet, und entdeckt, wie es mit einem anderen Menschen etwas teilen, mitteilen, fragen oder erzählen kann?

Möchtest du, dass dein Kind eine Aufgabe so ausführt, wie sie vorgegeben wurde? Oder möchtest du auch verstehen, was es braucht, um eigene Ideen zu entwickeln, Handlungen zu planen und Probleme zunehmend selbst zu lösen?

Wenn dein Kind Erwartungen nicht erfüllt: Ist dir wichtig, dass es lernt, sich anzupassen? Oder möchtest du auch verstehen, warum diese Situation für dein Kind schwierig ist und welche Unterstützung es braucht, um sie bewältigen zu können?

Wenn dein Kind wütend wird, sich zurückzieht, wegläuft oder sich verweigert: Soll dieses Verhalten möglichst rasch verschwinden? Oder möchtest du versuchen herauszufinden, was dein Kind dir damit vielleicht zeigt?

Und wenn du an Entwicklung denkst: Geht es für dich vor allem darum, was dein Kind noch nicht kann? Oder möchtest du auch die kleinen Schritte wahrnehmen, die vielleicht in keinem Testbogen auftauchen?

Klar ist – es gibt auf diese Fragen nicht die eine richtige Antwort.

Doch sie können dir dabei helfen herauszufinden, welche Art der Begleitung zu deinem Kind, zu dir und zu euren Vorstellungen von Entwicklung passt.

 

Woran erkenne ich, wie jemand arbeitet?

Nutze ein Erstgespräch oder eine erste Einheit auch dafür herauszufinden, wie die Fachperson dir und deinem Kind tatsächlich begegnet.

Du darfst dabei natürlich Fragen stellen. Zum Beispiel:

Wie entstehen die Ziele für mein Kind? Wie fließen Diagnose und Testergebnisse neben Beobachtungen, individuelle Unterschiede und eure Erfahrungen als Familie in die Zielsetzung ein?

Welche Rolle spielen die Interessen meines Kindes? Ist der Raum so vorbereitet, dass dein Kind entdecken, wählen und eigene Ideen entwickeln kann? Kann die Therapeutin dort anknüpfen, wo dein Kind gerade ist? Oder steht bereits fest, welche Übungen und Aufgaben in dieser Stunde erledigt werden sollen?

Was passiert, wenn mein Kind heute nicht mitmachen möchte? Reagiert die Fachperson flexibel auf die Bedürfnisse deines Kindes? Wird versucht herauszufinden, warum dein Kind aussteigt, was es gerade braucht und wie wieder Verbindung entstehen kann? Oder muss die geplante Aufgabe trotzdem zu Ende geführt werden?

Was passiert mit starken Gefühlen? Dürfen Überforderung, Wut, Unsicherheit oder Traurigkeit da sein? Gibt es Zeit für Co-Regulation – also dafür, dass ein Kind sich mithilfe eines anderen Menschen wieder sicherer und regulierter fühlen kann? Oder liegt der Schwerpunkt darauf, dass es möglichst schnell wieder ruhig ist, Regeln einhält oder einer Anweisung folgt?

Was gilt als Kommunikation? Wird wahrgenommen, dass Kommunikation lange vor gesprochenen Wörtern beginnt? Ein Blick. Eine Bewegung. Ein Laut. Eine Geste. Ein Gesichtsausdruck. Das Wegschieben eines Gegenstandes. Das Hinführen eines Erwachsenen zu etwas Interessantem. All das kann Bedeutung tragen. Auch gezieltes Üben von Wörtern kann seinen Platz haben. Entscheidend ist jedoch, was dahinter entsteht.Ein Kind kann lernen, auf Aufforderung ein Wort nachzusprechen. Doch versteht es auch, was dieses Wort bedeutet? Kann es das Wort mit einer Erfahrung verbinden? Entdeckt es, dass es damit einem anderen Menschen etwas mitteilen kann? Sprache ist mehr als das Produzieren von Wörtern. Sie bekommt Bedeutung, wenn sie Teil von Kommunikation wird.

Wie wird über mein Kind gesprochen? Hörst du hauptsächlich, was dein Kind noch nicht kann, wo es nicht entspricht und welche Defizite aufgeholt werden sollen? Oder hörst du auch von seinen Stärken? Von seinen Interessen und Vorlieben? Von einer kleinen Initiative, die heute zum ersten Mal sichtbar geworden ist? Von einem Blick, einer Idee oder einem Moment, in dem etwas zwischen zwei Menschen entstanden ist? Die Sprache, mit der wir über ein Kind sprechen, verrät oft viel darüber, wie wir dieses Kind sehen.

Und welche Rolle hast du als Mama oder Papa? Darfst du dabei sein? Darfst du beobachten, Fragen stellen, mitspielen und deine Wahrnehmung einbringen? Wird anerkannt, dass du dein Kind in Situationen und über Zeiträume kennst, die keine Therapeutin in einer einzelnen Stunde erleben kann? Eine gute Zusammenarbeit muss nicht bedeuten, dass Eltern in jeder Minute einer Einheit aktiv beteiligt sind. Doch sie sollte Raum dafür lassen, dass ihr euch begegnet – als Menschen, die unterschiedliche Beobachtungen und unterschiedliches Wissen über dasselbe Kind mitbringen.

 

Es geht nicht darum, die „richtige“ Berufsgruppe zu finden

Vielleicht findest du genau die Art von Begleitung, die du dir für dein Kind wünschst, bei einer Ergotherapeutin. Einer Logopädin. Oder einer Physiotherapeutin.

Manchmal arbeiten mehrere Menschen aus unterschiedlichen Berufsgruppen mit deinem Kind – und jeder bringt einen anderen wertvollen Blick mit.

Die Frage nach der Berufsgruppe bleibt also wichtig.

Sie ist nur nicht die einzige Frage.

Mindestens ebenso wichtig ist, wie dieser Mensch arbeitet. Welche Ziele er verfolgt. Wie er Entwicklung versteht. Wie flexibel er auf dein Kind reagieren kann. Welche Bedeutung Beziehung in seiner Arbeit hat. Und ob sein Blick auf dein Kind zu dem passt, was dir als Mama oder Papa wichtig ist.

 

Und wie ist das bei Naturspiel?

Bei Naturspiel interessiert mich nicht zuerst, welche Fertigkeit deinem Kind noch fehlt. Ich möchte herausfinden, wo dein Kind gerade steht.

Was interessiert es? Was gibt ihm Sicherheit? Wie nimmt es Kontakt auf? Wie teilt es sich mit? Welche Ideen bringt es mit? Was gelingt schon – vielleicht so leise, dass wir es beinahe übersehen hätten? Und was braucht dein Kind, damit der nächste Entwicklungsschritt überhaupt möglich wird?

Deshalb gibt es bei Naturspiel keinen fertigen Plan, den ein Kind Schritt für Schritt abarbeiten muss. Ich bereite einen Raum vor und setze Beziehungsangebote. Ich versuche, mich bei deinem Kind einzufädeln. Seine Interessen aufzugreifen. Zu verstehen, wie es die Welt erlebt und was es gerade beschäftigt.

Manchmal bedeutet das, gemeinsam zu spielen. Manchmal bewegen wir uns miteinander. Manchmal entsteht ein langer Austausch aus Blicken, Lauten, Gesten und Bewegung, ohne dass dabei ein einziges Wort gesprochen wird. Manchmal braucht ein Kind zunächst Unterstützung dabei, sich sicher und reguliert genug zu fühlen, um überhaupt in eine gemeinsame Welt einzutreten.

Und von dort aus kann Entwicklung weitergehen.

 

Was daraus wachsen kann

Beziehungsorientierte Entwicklungsbegleitung bedeutet nicht, dass wir einfach nur nett miteinander spielen und darauf hoffen, dass Entwicklung irgendwie passiert.

Wir schauen sehr genau hin.

Unter anderem darauf, wie ein Kind sich reguliert, wie es seine Aufmerksamkeit mit einem anderen Menschen teilt, wie es Kontakt initiiert und wie aus einzelnen Momenten zunehmend längere Kreise wechselseitiger Kommunikation entstehen.

Wir beobachten, wie ein Kind gemeinsam mit einem anderen Menschen Probleme löst, eigene Ideen entwickelt, Handlungen plant, auf Veränderungen reagiert und seine innere Welt ausdrückt. Und natürlich beobachten wir nicht nur, sondern gestalten all diese Entwicklungsprozesse aktiv mit. Im Spiel und im Tempo deines Kindes.

Denn auf der Basis einer sicheren und freudvollen Beziehung können viele Fähigkeiten wachsen, wie beispielsweise:

  • Selbstregulation
  • gemeinsame Aufmerksamkeit
  • Initiative und wechselseitige Kommunikation
  • gemeinsames Problemlösen
  • Handlungsplanung
  • Körperwahrnehmung
  • Fantasie und Kreativität
  • Sprache und Kommunikation
  • Flexibilität
  • Selbstvertrauen
  • Einfühlungsvermögen

Nicht alles gleichzeitig, nicht nach einem festen Zeitplan und nicht bei jedem Kind auf dieselbe Weise.

Wir folgen den Spuren des Kindes und schauen gemeinsam, welcher nächste Schritt für dieses Kind gerade möglich und bedeutsam ist.

 

Vielleicht beginnt die Suche nach Unterstützung mit einer anderen Frage

Nicht: Brauchen wir Ergotherapie? Logopädie? Physiotherapie? Entwicklungsbegleitung? Sondern eher: Wie möchte ich, dass mein Kind und ich dort gesehen werden?

Denn dein Kind verbringt in einer Begleitung nicht einfach nur sechzig Minuten damit, bestimmte Fähigkeiten zu lernen. Es erlebt auch, wie Erwachsene auf seine Ideen reagieren. Was passiert, wenn es Nein sagt. Ob seine Kommunikation verstanden wird. Ob jemand neugierig darauf ist, warum es tut, was es tut. Ob seine Interessen als Ausgangspunkt oder als Hindernis betrachtet werden. Ob jemand mehr sieht, was noch fehlt – oder auch das, was längst da ist.

Und vielleicht ist die wichtigste Frage deshalb am Ende nicht nur, welche Berufsbezeichnung auf der Tür steht. Sondern vielmehr welches Bild vom Kind dahinter zu Hause ist.

 

Du bist dir noch nicht sicher, welche Begleitung zu euch passt?

Du musst diese Frage nicht schon beantwortet haben, bevor du Kontakt aufnimmst.

In einem unverbindlichen Erstgespräch kannst du mir von deinem Kind erzählen: davon, was euch gerade beschäftigt, was ihr euch wünscht und welche Unterstützung bereits empfohlen wurde.

Dann schauen wir gemeinsam, ob Naturspiel ein passender Weg für euch sein könnte.

Naturspiel

Naturspiel begleitet Kinder und ihre Familien dabei, eine gemeinsame Welt zu entdecken – damit Beziehung wachsen und Entwicklung entstehen kann.

Kontakt

+43 680 23 787 04

kontakt@naturspiel.at

Hauptstraße 30, Top 2 2721 Bad Fischau-Brunn

Herzbuch

Eine Sammlung von Gedanken und Begriffen, die den Blick auf Kinder verändern können.

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